04.02.2019 | Interview

Hidden Champions - FinTech aus Freiburg

Mit dem smarten Spenden-Tool twingle sind Oliver Habboub und Dirk Agelek aus Freiburg dem Wettbewerb einige Schritte voraus. Das Interview mit Oliver Habboub, einem der Geschäftsführer, zeigt was passiert wenn man den User in den Fokus der Produktentwicklung stellt. Das Ergebnis: positive Kundenerlebnisse an allen Kontaktpunkten und dadurch ein erfolgreiches Produkt. 

Hallo Oli, als neuer Geschäftsführer von twingle bist du quasi in die FinTech Branche eingestiegen. Wie kam es dazu?

Oliver:


Ich bin von Haus aus Interface Designer und hatte mit Ole Seidenberg, einem der beiden Gründer von twingle, schon einige Projekte gemacht. Durch ihn sind mein Geschäftspartner Dirk Agelek und ich zu twingle gekommen. Mittlerweile sind wir Geschäftsführer, gemeinsam mit dem zweiten Gründer Fabian Schreiber. Schon in den ersten Gesprächen wurde uns klar, wie sehr uns die Geschäftsidee von twingle gefällt und dass wir mit unserer Erfahrung aus dem Service-Design-Dienstleistungsgeschäft twingle richtig nach vorne bringen können.

Digitale Anwendungen zu entwickeln und komplexe Applikation einfacher machen – das machen wir schon seit 20 Jahren und haben viel Spaß daran! Zudem gefiel mir der Gedanke, ein Produkt zu entwickeln, das nicht nur als Produkt toll ist, sondern mit dem ich auch einen persönlichen Beitrag dazu leisten kann, dem Ungleichgewicht in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Beides ist mit twingle möglich.

 

 

twingle Geschäftsführer Oliver Habboub und Dirk Agelek

Um was geht es bei twingle und wie kannst Du als CEO einen positiven Beitrag leisten?

Oliver:

Wir unterstützen NGO’s (Non-Governmental Organization) und andere gemeinnützige Organisationen dabei, Spenden zu sammeln. Die Überzeugungsarbeit leistet dabei unser Kunde, beispielsweise „Die Seenotretter”. Und wir sorgen dafür, dass der Spender egal wo er überzeugt wird, spenden kann und zwar schnell und einfach. Das „egal wo“ macht uns einzigartig, eröffnet ganz neue Kampagnen-Optionen und erhöht regelmäßig das Spendenvolumen unserer Kunden.

Was heißt „egal wo“? Und können das die anderen Anbieter nicht auch?

QR Code scannen und direkt spenden - www.amica-ev.org

Oliver:

Unser Spenden-Widget macht den Unterschied! Es ist einfach, intuitiv und man kann es exakt dort platzieren, wo der Spender angesprochen wird – egal ob im Web, auf Plakaten in der U-Bahn oder im Museum. Was uns noch unterscheidet, ist die Möglichkeit, die Widgets im eigenen Corporate Design zu gestalten, die einfache Kostenstruktur sowie der eben erwähnte Multichannel. Last but not least entwickeln wir twingle stets auf Basis des user-generated Feedbacks weiter. Das heißt, wenn wir verbessern, dann haben wir immer die Brille des Spenders auf und damit seinen Nutzen im Blick.

Wie funktionieren die Widgets technisch?

Oliver:

Das Widget ist ein iframe, der überall eingebunden werden kann. Und mit überall meine ich echten Multichannel: Desktop, Mobile, Newsletter, und selbst offline ist der Spender sofort in der Transaktion. Ein Beispiel sind die Spendentafeln in den Brandenburgischen Gedenkstätten. Sie tragen alle einen Spenden-Aufruf mit QR-Code und NFC-Tag. Wenn sich ein Besucher für eine Spende entscheidet, muss er nur den QR-Code scannen oder per NFC das Smartphone hinhalten, den Betrag eingeben und abschicken. 

Wow – das geht dann schon echt schnell!

Oliver:

Sehr schnell. Via Handyrechnung ist die Spende nur einen Tap entfernt. Das Widget erkennt, ob der Spender mobil unterwegs ist und bietet automatisch die Handyrechnung als Zahlungsverfahren an. Liegt der Betrag unter zehn Euro, geht das Ganze ohne Eingabe von weiteren Daten etwa für PayPal. Sozusagen eine One-Click-Spende! Aber egal, ob Handyrechnung oder PayPal – beides funktioniert perfekt für Spendenaktionen. Zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt.

Wie meinst Du das? Quasi als Tool auf einem Live-Event?

Oliver:

Ja, genau. Auf dem Weihnachtsmarkt sammelt man Spenden mittlerweile nur noch mit Smartphone oder Tablet und unserem Widget, also ohne Überweisungsträger, die später sowieso weggeworfen werden. Oder auf der letzten Cebit bekam jeder Besucher einen Ansteckbutton vom DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) mit QR-Code und NFC-Chip, um kontaktlos zu spenden. Innerhalb von wenigen Minuten wurden 20.000 Euro gesammelt!

twingle Kampagne

Das klingt für mich echt überzeugend.
Wie kommt ihr an eure Kunden und welche sind das?

Oliver:

Klar ist es erst mal schwer, in einem gesättigten Markt an neue Kunden zu gelangen. Unsere technischen USP’s haben uns natürlich sehr dabei geholfen. Aber viel geht auch über den Namen und das damit verbundene Vertrauen. Zum Beispiel setzt die GLS Bank twingle als White-Label-Lösung ein und vertreibt twingle unter dem Namen GLS eSpende. Dass wir die erfolgreichste sozial-ökologische Bank von unserem Produkt überzeugen konnten, setzt Zeichen am Markt. Wichtig ist aber auch, dass wir von twingle uns mit ähnlichen Werten wie die GLS Bank identifizieren. 

Was ist eure Vision und wie steht es um die Produktentwicklung?

Oliver:

Wir wollen unseren eigenen Weg gehen und uns auf das fokussieren, was wir richtig gut können: Unser Widget und die Erfahrung aus über 200 Kundenprojekten. Und natürlich wollen wir unsere Kunden noch besser beraten, um ihr digitales Fundraising zu steigern. Dafür entwickeln wir neue Features. Die neusten sind die Anlass-Spende, mit der Unterstützer eigene Spendenaktionen erstellen und über Social Media oder Mail teilen können und die Geschenk-Spende mit Spendenurkunde. Außerdem bieten wir seit kurzem eine Schnittstelle zum Kundenmanagementsystem CiviCRM, das bei gemeinnützigen Organisationen weit verbreitetet ist. Unser Team wird in diesem Jahr um einige Köpfe wachsen.

Wie steht es um die Kosten und welche Märkte wollt ihr mit twingle angehen?

Oliver:

Für twingle fallen keine Grundgebühren an. Hier unterscheiden wir uns vom Wettbewerb, denn wir berechnen ausschließlich prozentuale Gebühren auf den erzielten Spendenumsatz. Auch die Widgets kosten nicht extra und so kann der Kunde so viele Widgets anlegen, wie er braucht. Uns war wichtig, dass sich jede Organisation twingle leisten kann – egal wie groß oder klein. Mit dieser Kostenstruktur sind wir bereits in DACH unterwegs, aber grundsätzlich haben wir vor international zu expandieren. Das Widget erkennt bereits jetzt die Spracheinstellungen des Browsers und passt die Sprache automatisch an. Sobald die entsprechende Manpower da ist, gehen wir das an. Dieses Jahr konzentrieren wir uns aber noch auf den deutschsprachigen Markt.

erstellt von kultwerk GmbH

Letzte Frage, Oli: Wie verändert die Digitalisierung den Spendenmarkt?

Oliver:

Der Anteil der Online-Spenden am Gesamtmarkt steigt derzeit exponentiell – ist absolut gesehen aber noch recht gering. Sobald die jüngere Spender-Generation nachrückt, wird sich das Spendenverhalten grundlegend ändern. Bereits jetzt nimmt die mobile Nutzung stark zu, und wir reden vom Channelhopping. Aber spätestens, wenn die analogen Überweisungen noch teurer werden, wird der Spendenmarkt im Schnelldurchlauf digitalisiert. Dann werden wir „nur noch“ über die Kanäle reden – aber da sind wir ja schon überall präsent mit unseren Touchpoints. Und wenn sich der Spender in Zukunft in der virtuellen Realität aufhält, dann sind wir eben auch dort.
 

Vielen Dank Oli und weiterhin viel Erfolg mit twingle!